VM und LXC Container ohne Community-Scripts erstellen
Nachdem du Proxmox VE installiert hast, geht es ans Eingemachte: virtuelle Maschinen und Container. Dieses Tutorial zeigt dir, wie du beide völlig manuell ohne Community-Scripts anlegst. Das ist wichtig zum Verstehen, wie Proxmox funktioniert – und du hast volle Kontrolle über die Konfiguration.
VM vs. LXC Container – nochmal kurz
- VM (Virtual Machine): Eine vollständige, abgeschottete Maschine mit eigenem Betriebssystem (Windows, Linux, …). Benötigt mehr Ressourcen, aber funktioniert mit jedem OS.
- LXC Container: Ein leichter Linux-Container, der sich den Linux-Kernel des Proxmox-Hosts teilt. Viel schneller und ressourcensparender, aber nur für Linux sinnvoll.
Voraussetzungen
Schritt 1: Vorbereitung – ISO-Dateien oder LXC-Templates hochladen
Bevor du eine VM oder einen Container erstellen kannst, brauchst du das Installationsmaterial. Du brauchst nur eines von beiden – entscheide dich, ob du eine VM oder einen Container erstellen möchtest!
Für VMs: ISO-Datei hochladen
- Öffne die Proxmox Web-GUI und klicke links im Menübaum auf deinen Knoten („pve").
- Wähle Storage (oder „Datenspeicher").
- Klicke auf local (das ist der Standard-Speicher auf der Proxmox-Installation).
- Klicke auf den Tab Content oder Inhalt.
- Klicke auf Upload und wähle eine ISO-Datei von deinem Computer (debian-12-generic-amd64-netinst.iso).
- Warte, bis die Upload abgeschlossen ist. Du solltest die ISO dann in der Liste sehen.
Für LXC Container: Templates sind oft bereits vorhanden
LXC-Templates sind kleine vorgefertigte Linux-Container-Images. In vielen Proxmox-Installationen sind diese bereits vorhanden – du musst sie also nicht hochladen. Falls nicht, klicke auf Templates in der Proxmox Web-GUI und lade ein Template herunter (z.\u202fB. Debian oder Ubuntu).
PART A: Virtuelle Maschine (VM) erstellen
Wähle diesen Part, wenn du eine vollständige VM mit eigenem Betriebssystem brauchst (Windows, Linux, …).
Schritt 1: VM-Assistent starten
- VM-Assistent starten: Rechts oben in der Proxmox Web-GUI klickst du auf Create VM (oder „VM erstellen").
- General / Allgemein:
- Node: Der Knoten, auf dem die VM laufen soll (meistens nur eine Auswahl möglich).
- VM ID: Eine eindeutige Nummer für diese VM (z.\u202fB. 100). Lass Proxmox diese autom. vergeben, oder wähle eine Nummer.
- Name: Ein Name für deine VM (z.\u202fB. „debian-web-server"). Keine Leerzeichen!
- Resource Pool: Kann leer gelassen werden (ggf. später für Gruppen nutzen).
- OS / Betriebssystem:
- Type: Wähle „Linux" oder „Windows" je nach deiner ISO.
- Version: Wähle die entsprechende Version aus der Liste (z.\u202fB. „5.x – 2.6 Linux Kernel" für moderne Linux-Distributionen).
- CDROM / Installationsmedia:
- Klicke auf Use ISO image und wähle deine hochgeladene ISO aus der Dropdown-Liste.
- Dies ist nur während der Installation nötig – später kannst du den CDROM wieder entfernen.
- System / Systemeinstellungen:
- Lass die Standardwerte, es sei denn, du weißt, was du tust. Für die erste VM reichen die Defaults.
- Disks / Festplatte:
- Storage: Wähle „local-lvm" (das ist der Default Speicher in der LVM-Partition, wo VMs und Container ihre Daten speichern).
- Disk size: Wie viel Speicherplatz die VM haben soll. Für eine Linux-Basis: 20–50 GB ist ein guter Start. Windows: mindestens 50 GB.
- CPU / Prozessor:
- Cores: Wie viele CPU-Kerne die VM nutzen darf. Start: 2–4 Kerne (je nach deinem Host).
- Type: Kann auf „Default" bleiben.
- Memory / Arbeitsspeicher:
- Memory (MB): RAM für die VM. Für Linux: 512–2048 MB, für Windows: mindestens 2048 MB. Beispiel: 2048 = 2 GB.
- Minimum memory: Falls Proxmox RAM sparen soll, setze einen Mindestwert (z.\u202fB. 512 MB). Lass es weg, wenn du es nicht brauchst.
- Network / Netzwerk:
- Bridge: Sollte bereits auf „vmbr0" gesetzt sein (das ist die Standard-Bridge, die deine VM mit dem Netzwerk verbindet).
- VLAN Tag: Lass leer, es sei denn, du arbeitest mit VLANs.
- MAC Address: Lass autom. generieren.
- Confirm / Bestätigung:
- Übersicht prüfen und auf Finish klicken.
- Die VM wird jetzt angelegt und sollte in der linken Liste auftauchen.
Schritt 2: VM starten und installieren
- Die neu erstellte VM sollte in der linken Liste sichtbar sein (z.\u202fB. unter „pve" > „100 (debian-web-server)").
- Klicke darauf und wähle rechts oben Start.
- Die VM startet jetzt von der ISO-Datei (CDROM), die du angegeben hast. Ein Fenster öffnet sich – das ist die Konsole der VM.
- Folge den Instalations-Anweisungen des Betriebssystems (z.\u202fB. Debian-Installer). Das funktioniert wie ein normaler Computer-Kauf.
- Nach Abschluss der Installation wird die VM neu starten. Du kannst dann die ISO vom CDROM entfernen:
- Wähle die VM in der linken Liste.
- Gehe auf Hardware.
- Klicke auf CD/DVD Drive und klicke das „X", um es zu entfernen oder auf den CDROM zu fahren und dann Edit → Do not use any media.
- Starte die VM neu. Sie sollte jetzt vom Festplatte booten.
PART B: LXC Container erstellen
Wähle diesen Part, wenn du einen leichten Linux-Container brauchst (schneller, weniger Ressourcen).
Schritt 1: Container-Assistent starten
Container sind schneller als VMs und ideal für einzelne Anwendungen. Das Prinzip ist ähnlich, aber einfacher.
- Container-Assistent starten: Rechts oben auf Create CT (oder „Container erstellen") klicken.
- Hostname and Password / Hostname und Passwort:
- Hostname: Name des Containers (z.\u202fB. „debian-container"). Keine Leerzeichen!
- Password: Root-Passwort für diesen Container. Speichere es sicher ab!
- Template / Container-Image:
- Storage: Wo die Templates gespeichert sind (meistens „local").
- Template: Wähle ein Template aus (z.\u202fB. „debian-12-standard_12.2-1_amd64"). Das ist das Basis-Image für deinen Container.
- Falls kein Template angezeigt wird: Gehe auf Datacenter → Storage → local → Templates, lade ein Template herunter und versuche es erneut.
- Disks / Festplatte:
- Storage: Meistens „local-lvm".
- Disk size: Für einen einfachen Container: 5–20 GB, je nach Anwendung.
- CPU / Prozessor:
- Cores: Für den Anfang: 1–2 Kerne.
- Memory / RAM:
- Memory (MB): 256–512 MB ist für viele Anwendungen ausreichend. Container sind sparsam!
- Network / Netzwerk:
- Hostname: Nochmal abfragen (wird mit hostname oben befüllt).
- IPv4: Entweder DHCP (automatische IP vom Router) oder eine statische IP wie
192.168.1.100/24. Für den Anfang: DHCP.
- Gateway: Meistens
192.168.1.1 (dein Router).
- DNS / Nameserver:
- Automatisch ausfüllen (lass die Standardwerte).
- Confirm / Bestätigung:
- Übersicht prüfen und auf Finish klicken.
- Der Container wird sofort angelegt und meistens automatisch gestartet.
Schritt 2: Container starten und erste Schritte
- Der Container sollte nach Erstellung sofort laufen. Klicke darauf und wähle Console oder Konsole, um dich anzumelden.
- Login mit Benutzer root und dem Passwort, das du oben gesetzt hast.
- Jetzt kannst du Befehle ausführen wie auf einem normalen Linux-System:
apt update
apt install htop
- Der Container ist jetzt einsatzbereit!
Unterschiede bei der Nutzung
| Eigenschaft | VM | Container |
| Betriebssystem | Beliebig (Windows, Linux, …) | Nur Linux |
| Boot-Zeit | 30–60 Sekunden | 1–5 Sekunden |
| RAM-Verbrauch | Min. 512 MB pro VM | Min. 64 MB pro Container |
| Festplatte | Mindestens 10–20 GB | Mindestens 2–5 GB |
| Abschottung | Vollständig isoliert | Teilt sich Kernel mit Host |
Nach der Erstellung: Was du jetzt machen kannst
- IP-Adresse herausfinden: Container: In der Konsole
ip addr eingeben. VM: Melde dich an und prüfe mit ip addr oder im Windows-Netzwerk-Einstellungen.
- Backups machen: Klicke auf deine VM/Container → Backup → Backup now. Das ist eine Sicherung!
- Snapshots: Ähnlich wie Backups, aber für schnelle Wiederherstellung (speichert Änderungen seit dem Snapshot).
- Mit SSH verbinden: Sobald die IP bekannt ist, kannst du dich von deinem PC aus verbinden:
ssh root@192.168.1.100 (Container oder Linux-VM).
Fehlersuche
| Problem | Ursache | Lösung |
| VM/Container startet nicht | Nicht genug RAM oder Fehler in Konfiguration | Prüfe das Proxmox-Log (rechts im Tab „Log"). Reduziere RAM oder Cores und versuche erneut. |
| Konsole zeigt schwarzen Bildschirm | VM/Container lädt noch oder hat keinen Bildschirm-Output | Warte 30 Sekunden. Klicke mehrmals in die Konsole. Falls Linux: Drücke Enter. |
| Kein Internet im Container/in der VM | Netzwerk nicht korrekt konfiguriert | Prüfe die Netzwerk-Einstellungen (IPv4, Gateway). Tipp: ping 8.8.8.8 zum Testen. |
| ISO wird nicht erkannt oder ist zu groß | ISO wurde nicht hochgeladen oder Upload fehlgeschlagen | Gehe auf Storage → local → Content und überprüfe, ob die ISO dort ist. Falls nicht: Nochmal hochladen. |
| Container zeigt „Unable to find template" | Kein Template vorhanden | Gehe auf Datacenter → Storage → local → Templates und lade ein Template herunter (z.\u202fB. Debian). |
Tipps zum Üben
- Starte mit einem Container: Sie sind schneller, verbrauchen weniger Ressourcen, und die meisten modernen Anwendungen laufen darin. Perfekt zum Testen.
- Nutze Snapshots zum Experimentieren: Mache einen Snapshot vor großen Änderungen, dann kannst du immer zurückgehen. Das ist schneller als Backups.
- Schreib dir die Konfiguration auf: Notiere dir, welche Einstellungen du gewählt hast. Das hilft beim nächsten Mal!
- Community-Scripts sind okay – später: Nachdem du manual ein paar VMs/Container angelegt hast, verstehst du, was die Scripts tun. Dann kannst du sie sicher einsetzen.
Fazit
Mit diesen Schritten kannst du VMs und Container selbstständig in Proxmox anlegen – ohne Community-Scripts, mit voller Kontrolle. Anfangs wirkt das Formular überwältigend, aber nach 2–3 Anläufen wird es zur Routine. Das Schöne an Proxmox: Fehler sind nicht teuer – du kannst jederzeit einfach löschen und neu anfangen!
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